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Schopenhauer war Sohn
eines Kaufmanns und einer Schriftstellerin und mußte auf den Druck
des Vaters hin eine Kaufmannslehre absolvieren. Nach dem Tode des Vaters
brach er die Lehre ab und zog mit seiner Mutter nach Weimar, wo er Goethe,
Wieland und die Gebrüder Schlegel (August Wilhelm Schlegel und
Friedrich Schlegel) kennenlernte. 1809 begann Schopenhauer in Göttingen
sein Studium, setzte dieses von 1811 bis 1813 schließlich in Berlin
fort. Hier hörte er Vorlesungen von Schleiermacher und vor allem
Fichte, der seine eigene Philosophie stark beeinflußte. 1813 legte
er in Berlin seine Dissertation vor, 1819 erschien sein Hauptwerk "Die
Welt als Wille und Vorstellung". 1820 begann er eine kurze Dozententätigkeit
in Berlin, die er jedoch schon ein Jahr später aufgrund der geringen
Resonanz wieder abbrach. Auch der Konflikt mit Hegel fällt in diese
Zeit, wobei Schopenhauer zeitlebens gegen dessen Philosophie polemisierte.
Aufgrund des väterlichen Erbes war Schopenhauer wirtschaftlich
unabhängig und lebte seit 1820 zurückgezogen und unverheiratet
als Privatgelehrter.
In seiner Philosophie
verstand sich Schopenhauer als direkter Erbe Kants und ähnlich
wie dieser geht er davon aus, daß die Welt (des Subjekts) primär
Vorstellung ist, also die durch das menschliche Denken formierte Erscheinung
und das hinter diesen Erscheinungen die unerkennbaren "Dinge an sich"
bestehen. "Die Welt ist meine Vorstellung", lautet der erste Satz in
die "Welt als Wille und Vorstellung". Dem reflektierenden Menschen "wird
deutlich und gewiß, daß er keine Sonne kennt und keine Erde;
sondern immer nur ein Auge, das eine Sonne sieht, eine Hand, die eine
Erde fühlt" (ebd.). Es besteht demnach kein Objekt ohne ein erkennendes
Subjekt und umgekehrt. Schopenhauer beschränkt sich jedoch nicht
auf dieses erkenntnistheoretische Modell, sondern nimmt zugleich den
Willen in den Blick, die "Dinge an sich" trotzdem erkennen zu wollen.
"Wir fragen, ob diese Welt nichts weiter als, als Vorstellung sei" (ebd.).
Der Wille wird schließlich für Schopenhauer zum absoluten
Grundprinzip a priori, zum einen da der menschliche Körper für
ihn die Objektivation des Willens darstellt, zum andern weil der Wille
das allgemeine Prinzip auch der Erscheinungen darstellt. Vereinfachend
kann man sagen: der Wille ist das Ding an sich, welches wir zwar nicht
erkennen, an dem wir aber partizipieren. Alle Kräfte der Natur
beruhen auf diesen Kräften eines Willens. Dem Willen als Grundprinzip
allen Lebens ist dabei ein stetiges Streben eigen. Dieses stetige Streben
als Prinzip bedeutet aber auch eine ständige Unzufriedenheit, ein
Leiden an der ausbleibenden Erfüllung. Der Wille will immer weiter.
Beendet werden kann dieses vielseitige Leiden nur durch die Verneinung
des Willens zum Leben, durch den Übergang ins Nichtsein. Schopenhauer
sieht diese Verneinung des Willens, der sich im Menschen instinktsicher
als Daseins- und Fortpflanzungsdrang entfaltet, als eine reflektierte
Leistung an, im Sinne des Buddhismus als eine letzte Erfüllung
(Nirvana). Diese Verneinung bedeutet auch die Überwindung der individuellen
Grenzen, ein "Sichwiedererkennen" auch in der fremden Erscheinung, letztlich
auch ein Mitleiden, welches für Schopenhauer zum obersten moralischen
Prinzip wird und zur Basis einer Gerechtigkeit. Das Mitleiden bezieht
sich dabei nicht nur auf den Menschen, sondern auf alle lebenden Wesen.
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