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Aus
dem Gespräch der Vögel (Aus dem »Gespräch der Vögel«) Das erste Tal, das sich darbietet, ist das Tal des Suchens, nach ihm kommt das der Liebe, das keine Grenze hat, das dritte ist das der Erkenntnis, das vierte das der Selbstgenügsamkeit, das fünfte das der reinen Einheit, das sechste das der Bestürzung, das siebente endlich ist das Tal der Auflösung und der Vernichtung, über das hinaus du nicht fortschreiten kannst. Da wirst du dich angezogen fühlen und wirst doch nicht weiter ziehen können; ein einziger Wassertropfen wird für dich wie ein Meer sein.
Das
Tal des Suchens Sobald
du in das Tal des Suchens eingetreten bist, wird hundertfache Pein
dich wieder und wieder überfallen. In jedem Augenblick
wirst du da hundert Prüfungen erfahren; der Papagei des Firmaments-,
ist da nur eine Fliege. Du wirst viele Jahre in diesem Tale
in mühevoller Spannung und steter Wandlung deines Zustands verbringen.
Du wirst deine Schätze verlassen und alles was du besitzest ins
Spiel werfen müssen. Du wirst in einem Blutstrom schreiten
müssen, dem Allverzicht ergeben. Und hast du die Gewißheit
gewonnen, daß du nichts mehr besitzest, mußt du noch dein
Herz ablösen von allem was ist. Ist es von allem Anblick
der Sonderung befreit, dann leuchtet ihm die göttliche Herrlichkeit
auf und durch dieses Licht, das sich dir offenbart, wächst dein
Begehren ins Unendliche. Und erschiene ein Feuer am Pfade des
geistlichen Wandrers und tausend Schluchten öffneten sich immer
unwegsamer, von der Sehnsucht bewegt, würde er wie ein Toller
in die Schluchten dringen, wie ein Schmetterling in die Flamme stürzen.
Vom Liebeswahn getrieben, wird er dem Suchen leben; von seinem Mundschenk
wird er einen Trunk verlangen. Hat er dieses Weines etliche
Tropfen gekostet, wird er beide Welten vergessen. Eingetaucht
im Meer des Schrankenlosen, wird er seine Lippen trocken verspüren,
und auf dem Grunde seiner selbst wird er dem Geheimnis der ewigen
Schönheit nachfragen. In seiner Begier, es zu erkennen,
wird er vor den Drachen nicht weichen, die die Seelen verzehren.
Würden in diesem Augenblick der Glaube und der Unglaube vor ihn
treten, er würde sie beide gleich willig empfangen, wenn sie
ihm nur die Pforte öffnen. Ist diese Pforte offen, was
ist dann noch Glaube oder Unglaube, da es doch jenseits des Eingangs
weder den einen noch den andern gibt? ... Das
Tal der Liebe Um hier
einzutreten, muß man ganz in Feuer tauchen, ja man muß
selber Feuer sein, denn sonst könnte man da nicht leben.
Der wahrhaft Liebende muß dem Feuer gleich sein, entflammten
Angesichts, brennend und ungestüm wie das Feuer. Um zu
lieben, darf man keinen Hintergedanken haben; man muß bereit
sein, hundert Welten ins Feuer zu werfen; man muß weder Glauben
noch Unglauben kennen, weder Zweifel noch Zuversicht hegen.
Auf diesem Wege ist kein Unterschied zwischen Gut und Böse; wo
die Liebe ist, sind Gut und Böse entschwunden ...
Das
Tal der Erkenntnis Wenn
die Sonne der Erkenntnis an der Wölbung dieses Weges strahlt,
den man nicht würdig zu beschreiben vermag, zeigt sich in Klarheit
das Geheimnis des Wesens der Dinge, und der feurige Ofen der Welt
wird zum Blumengarten. Der Wandrer wird die Mandel unter ihrer
Das
Tal der Selbstgenügsamkeit Hier
ist keine Sucht und kein Forschen. Aus dieser Bereitschaft der
Seele zur Genügsamkeit erhebt sich ein kalter Sturm, dessen Gewalt
in einem Augenblick einen ungeheuren Raum verwüstet. Die
sieben Ozeane sind dann nur noch eine Wasserlache; die sieben Wandelsterne
ein Funken; die sieben Himmel ein Leichnam; die sieben Höllen
zerschelltes Eis ...
Das
Tal der Einheit Dies
ist der Ort der Entblößung von allen Dingen und der Einung.
Alle, die in dieser Wüste das Haupt erheben, ziehen es aus dem
gleichen Kragen. Magst du auch viele Einzelwesen sehen, es gibt
in Wirklichkeit nur wenige, nein, es gibt eines nur. Da die Menge
von Personen wahrhaft nur eine ausmacht, ist diese vollkommen in ihrer
Einheit. Was sich dir aber als eine Einheit darstellt, das ist nicht
verschieden von dem, was gezählt wird. Da das Wesen, das
ich verkündige, außer dieser Einheit und der Zahl ist,
lasse du ab, der Ewigkeit des Vordem und der Ewigkeit des Darnach
nachzusinnen; und da die beiden Ewigkeiten zerronnen sind, gedenke
ihrer nicht mehr ...
Das
Tal der Bestürzung Auf das
Tal der Einheit folgt das der Bestürzung. Da ist man die
Beute der Traurigkeit und des Stöhnens. Da sind Seufzer
wie Schwerter, und jeder Hauch ist eine bittre Klage. Da ist
nichts als Weheruf, als Leid, als zehrende Glut; da ist Tag und Nacht
zugleich, und da ist weder Tag noch Nacht. Da sieht man von
jedes Haares Ende, ohne daß es abgeschnitten würde, das
Blut tropfen ... Wie wird der Mensch in seiner Bestürzung weitergehen
können? Er wird betäubt werden und sich auf dem Wege
verlieren. Aber der die Einheit im Herzen eingegraben hat, vergißt
alles und vergißt sich selbst. Wenn man ihm sagt: »Bist
du oder bist du nicht; hast du das Gefühl des Seins oder hast
du es nicht; bist du in der Mitte oder bist du am Rande; bist du sichtbar
oder verborgen; bist du vergänglich oder unsterblich; bist du
das eine und das andere oder weder das eine noch das andere; bist
du du selbst oder bist du es nicht?« wird er antworten: lch
weiß nichts davon, ich bin dessen unkundig und ich bin meiner
unkundig. Ich bin verliebt, aber ich weiß nicht in wen;
ich bin weder treu noch ungetreu. Was bin ich doch? Ich
bin selbst meiner Liebe unkundig; ich habe das Herz von Liebe voll
und von Liebe leer zugleich« ... Das
Tal der Auflösung und der Vernichtung Es ist
unmöglich, dieses Tal zu schildern. Als sein wesentlicher
Zustand ist anzusehen das Vergessen, die Stummheit, die Taubheit und
die Ohnmacht. Da siehst du in einem einzigen Strahl der Sonne
die Tausende ewiger Schatten verschwinden, die dich umgaben.
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