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Plato's
Höhlengleichnis: 1.
Vom Leben in der Höhle 1. Der unbewusste Mensch - gefesselt in der Höhle. »Hierauf
vergleiche nun, fuhr ich fort, unsere Natur in bezug auf Bildung und
Stelle
dir nun längs der kleinen Mauer Menschen vor, die allerhand Geräte
(Vorstellungen) Sie sind uns ähnlich, erwiderte ich. Denn erstens: glaubst du, diese Menschen hätten von sich selbst und voneinander je etwas anderes zu sehen bekommen als die Schatten (Projektion der Vorstellungen), die das Feuer (universeller Geist) auf die ihnen gegenüberliegende Seite der Höhle (materielle Welt) wirft? - Wie sollten sie, sagte er, wenn sie zeitlebens gezwungen sind, den Kopf unbeweglich zu halten? Was
sehen sie aber von den Dingen, die vorübergetragen werden? Doch
eben 2.
Der Austritt aus der Höhle Überlege
dir nun, fuhr ich fort, wie es wäre, wenn sie von ihren Fesseln
befreit und damit auch von ihrer Torheit geheilt würden; da müßte
ihnen doch naturgemäß folgendes widerfahren: Wenn einer aus
den Fesseln gelöst (Bindung
des Geistes an die Materie - ohne Begehren, Selbstlosigkeit)
und genötigt würde, plötzlich aufzustehen, den Hals zu
wenden, zu gehen und gegen das Licht (zum
universellen Geist) zu schauen, und wenn
er bei all diesem Tun Schmerzen (Loslösung
ist eben schmerzhaft) empfände und
wegen des blendenden Glanzes jene Dinge nicht recht erkennen könnte,
deren Schatten er vorher gesehen hat - was meinst du wohl, daß
er antworten würde, wenn ihm jemand erklärte, er hätte
vorher nur Nichtigkeiten gesehen, jetzt aber sei er dem Seienden näher
und so, dem eigentlicher Seienden zugewendet, sehe er richtiger? Und
wenn der ihm dann ein jedes von dem Vorüberziehenden zeigte und
ihn fragte und zu sagen nötigte, was das sei? Und wenn man ihn gar nötigte, das Licht selber anzublicken, dann schmerzten ihn doch wohl die Augen, und er wendete sich ab und flöhe zu den Dingen, die er anzuschauen vermag, und glaubte, diese seien tatsächlich klarer als das, was man ihm jetzt zeigt? -Es ist so, sagte er. Schleppte man ihn aber von dort mit Gewalt den rauhen und steilen Aufgang hinauf, fuhr ich fort, und ließe ihn nicht los, bis man ihn an das Licht der Sonne (zur Erleuchtung) hinausgezogen hätte - würde er da nicht Schmerzen empfinden und sich nur widerwillig so schleppen lassen? Und wenn er ans Licht käme, hätte er doch die Augen voll Glanz und vermöchte auch rein gar nichts von dem zu sehen, was man ihm nun als das Wahre bezeichnete? - Nein, erwiderte er, wenigstens nicht im ersten Augenblick. Er müßte sich also daran gewöhnen, denke ich, wenn er die Dinge dort oben sehen wollte. Zuerst würde er wohl am leichtesten die Schatten erkennen, dann die Spiegelbilder der Menschen und der andern Gegenstände im Wasser und dann erst sie selbst. Und daraufhin könnte er dann das betrachten, was am Himmel ist, und den Himmel selbst, und zwar leichter bei Nacht, indem er zum Licht der Sterne und des Mondes aufblickte, als am Tage zur Sonne und zum Licht der Sonne. - Ohne Zweifel. Zuletzt aber, denke ich, würde er die Sonne, nicht ihre Spiegelbilder im Wasser oder anderswo, sondern sie selbst, an sich, an ihrem eigenen Platz ansehen und sie so betrachten können, wie sie wirklich ist. - Ja, notwendig. Und dann würde er wohl die zusammenfassende Überlegung über sie anstellen, daß sie es (der universelle, LEBENDIGE Geist) ist, die die Jahreszeiten und Jahre herbeiführt und über allem waltet in dem sichtbaren Raume, und daß sie in gewissem Sinne auch von allem, was sie früher gesehen haben, die Ursache ist. - Offenbar würde er nach alledem so weit kommen. Wenn er nun aber an seine erste Behausung zurückdenkt und an die Weisheit, die dort galt, und an seine damaligen Mitgefangenen, dann wird er sich wohl zu der Veränderung glücklich preisen und jene bedauern (Mitleid mit den unwissenden Menschen) - meinst du nicht? - Ja, gewiß. Die
Ehren aber und das Lob, das sie einander dort spendeten, (Theoretiker
der materiellen Welt) und die Belohnungen
für den, der die vorüberziehenden Schatten am schärfsten
erkannte und der sich am besten einprägte, welche von ihnen zuerst
und welche danach und welche gleichzeitig vorbeizukommen pflegten, und
daraus am besten vorauszusagen wußte, was jetzt kommen werde -
glaubst du, er sei noch auf dieses Lob erpicht und beneide die, die
bei jenen dort in Ehre und Macht stehen? Oder wird es ihm so gehen,
wie Homer sagt, daß er viel lieber auf dem Acker bei einem armen
Mann im Taglohn arbeiten und lieber alles mögliche erdulden will,
als wieder in jenen Meinungen befangen sein und jenes 3.
Die Rückkehr Denke
dir nun auch folgendes, fuhr ich fort: Wenn so ein Mensch wieder Wenn
er dann aber wieder versuchen müßte, im Wettstreit mit denen,
die immer dort gefesselt waren, jene Schatten zu beurteilen, während
seine Augen noch geblendet sind und sich noch nicht wieder umgestellt
haben (und diese Zeit der Umgewöhnung dürfte ziemlich lange
dauern), so würde man ihn gewiß auslachen und von ihm sagen,
er komme von seinem Aufstieg mit verdorbenen Augen zurück und es
lohne sich nicht, auch nur versuchsweise dort hinaufzugehen. Wer aber
Hand anlegte, um sie zu befreien und hinaufzuführen, den würden
sie wohl umbringen, wenn sie nur seiner habhaft werden und ihn töten
könnten. - Ja, gewiß, sagte er. Dieses
ganze Gleichnis, mein lieber Glaukon, fuhr ich fort, mußt du nun
an das anknüpfen, was wir vorhin besprochen haben. Die durch das
Gesicht uns Meine
Ansicht darüber geht jedenfalls dahin, daß unter dem Erkennbaren
als letztes und nur mit Mühe die Idee des Guten gesehen wird (da
man zunächst nur die "Schlechtigkeit" der Menschen in
ihrem unersättlichen Begehren sieht);
hat man sie aber gesehen, so muß man die Überlegung anstellen,
daß sie für alles die Urheberin alles Richtigen und Schönen
ist. Denn im Sichtbaren bringt sie das Licht und seinen Herrn hervor;
im Einsehbaren aber verleiht sie selbst als Herrin Wahrheit und Einsicht.
Sie muß man erblickt haben, wenn man für sich oder im öffentlichen
Leben vernünftig handeln will. - Ich bin derselben Ansicht, sagte
er, soweit ich zu folgen vermag!«
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